Ein neuer König

„David, komm schnell! Dein Vater ruft dich!“ „Übernimm dann schnell die Schafe, ich renne schon!“ Schnell schnallt sich David seinen Wasserschlauch um, nimmt seine Tasche und den Hirtenstab und ruft dem Boten noch schnell beim Laufen zu: „Und pass auf das kleine, scheckige Lamm auf, es läuft gerne mal weg!“ Er rennt so schnell er kann. Wenn mein Vater schon einen Boten rufen muss, damit ich so schnell wie möglich komme, muss es ganz wichtig sein, denk David sich, was kann er nur von mir wollen? Was ist so wichtig? Als er so Gedankenversunken zum Haus seines Vaters kommt, sieht er schon, dass alle seine Brüder draußen auf dem Hof stehen und schon seine Ankunft erwarten. Sie sehen sehr betrübt aus. Während David näher kommt, denkt er, dass etwas Schreckliches vom HERRN passiert sein muss, da auch Samuel, der Prophet Gottes, anwesend ist. Als er aber Samuel ins Gesicht sieht, erkennt er, dass das Gesicht des Propheten anfängt zu lächeln und er holt ein kleines Horn heraus.
Den Propheten hat sich David anders vorgestellt. Natürlich erkannte er ihn an seinem langen Ziegenmantel und seinem Ledergurt. Außerdem hat er einen langen Bart und einen Gehstock, so wie ihn sein Vater immer beschrieben hatte, und dennoch sieht er ganz anders aus. David weiß, was das Horn für eine Bedeutung hat. Mit einem Horn werden Könige gesalbt. Warum ich, denkt sich David, mein älterer Bruder Eliab ist doch viel besser zum König geeignet, er hat Kampferfahrung, ist älter und viel weiser als ich. Doch Samuel lässt sich von dem fragenden Gesicht des jungen David nicht erschrecken. Als der Prophet David das Öl auf den Kopf gießt, kribbelt es David am ganzen Körper. Er spürt das von Sonnenlicht gewärmte Öl an seinem Kopf und Hals herunterfließen.
„Nun werde ich dich noch segnen“, hört David den Propheten sprechen, „David, du sollst gesegnet sein vor dem Herrn. Du bist der, der Israel zum Sieg verhelfen wird, du bist derjenige, der alle Feinde von Israel vertreiben wird und dem Volk eine sichere Zukunft schenken wird. Alles wird aber nur dann passieren, wenn du auf Gott hörst und ihn achtest.“ Nach diesen Worten verabschiedet sich der Prophet. David steht verblüfft da. Vor kurzem war er noch bei seinen Schafen und nun soll er König sein? Bei seinen älteren Brüdern, Eliab, Abinadab und Schamma, bemerkt David in den Augen einen stechenden Blick. Der Blick voll von Neid. Ich weiß ja selber nicht, warum ich gewählt wurde, denkt sich David. Er dachte auch, dass seine Brüder besser geeignet wären. Er sollte König werden, daran ist jetzt nichts mehr zu ändern. Hoffentlich werden meine Brüder noch normal mit mir umgehen, überlegt David und reibt sich seinen ölverschmierten Kopf.

[Fortsetzung folgt…]

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